Parkinsontag 2026

Selbsthilfe – ist das noch zeitgemäß?

 

Themensuche – der große Bogen

Block 1: Selbsthilfe: überholt, vereinnahmt – oder gerade erst am Anfang?

Braucht es eigentlich noch Selbsthilfe?
Oder brauchen wir vor allem noch Selbsthilfeorganisationen?

Die klassische Antwort wäre: ja, unbedingt.
Die Realität ist widersprüchlicher.

Auf der einen Seite stehen etablierte Strukturen wie die dPV – mit schweeren Krise, Mitgliederschwund, Legitimationsfragen.
Auf der anderen Seite neue Formate wie der Betroffenenbeirat der Parkinson Stiftung – sichtbar, beteiligt, aber eingebunden in eine Systemlogik, welche die Themen setzt und Grenzen definiert.

Dazwischen: die Betroffenen selbst.

Und plötzlich passiert etwas Interessantes:
Menschen spielen Tischtennis.
Regelmäßig. Intensiv. Gemeinsam.
Und berichten von spürbaren Veränderungen.

Ist das schon Selbsthilfe?
Oder ist das mehr als das, was klassische Selbsthilfe je war?

Wenn Selbsthilfe bedeutet, den Alltag aktiv zu gestalten, Funktionen zu erhalten, sich gegenseitig zu stabilisieren –
dann ja.
Wenn Selbsthilfe bedeutet, Interessen zu bündeln, politisch wirksam zu werden, Versorgung zu verändern –
dann eher nicht.

Genau hier entsteht die Lücke.

Denn wer vertritt eigentlich die Interessen von Menschen mit Parkinson – und ihrer Angehörigen?
Die Organisationen?
Die Medizin?
Die Forschung?
Oder die Betroffenen selbst?

Und was sind diese Interessen überhaupt?

– Besser leben im Alltag?
– Weniger Symptome?
– Mehr Selbstständigkeit?
– Verlangsamung des Verlaufs?
– Zugang zu wirksamen Strategien – sofort, nicht erst in zehn Jahren?

Oder noch grundlegender:
Gehört das, was im Alltag tatsächlich hilft, überhaupt schon zur „Versorgung“ – oder läuft es daneben?

Viele erleben:
Das, was wirkt, findet oft außerhalb der Strukturen statt.
Und das, was strukturiert ist, wirkt im Alltag nur begrenzt.

Ist das ein individuelles Problem – oder ein systemisches?

Geht es anderen wie mir?
Warum sprechen so viele ähnliche Erfahrungen aus – aber sie tauchen kaum in Leitlinien, Förderung oder öffentlicher Wahrnehmung auf?

Vielleicht ist die eigentliche Frage nicht:
Braucht es noch Selbsthilfe?

Sondern:
Welche Form von Selbsthilfe fehlt uns heute –
und wer hätte ein Interesse daran, dass genau diese Form entsteht?

 

Block 2: Wissen, Deutungshoheit und Prioritäten

Wer bestimmt, was „wahr“ ist – und was relevant ist?

Kernlogik:

  • Forschung definiert, was untersucht wird (Biomarker, α-Synuclein etc.)
  • Leitlinien definieren, was gemacht wird
  • Förderung definiert, was überhaupt existiert

👉 zentrale Spannung:

  • Messbares (Biomarker, Diagnostik) wird systematisch aufgebaut
  • Wirksames im Alltag (Bewegung, Struktur, Schlaf, Energie) bleibt randständig

Mögliche Leitfragen:

  • Wer entscheidet, welche Themen gefördert werden?
  • Warum ist Früherkennung systematisch – Alltagsbewältigung nicht?
  • Was passiert mit Wissen, das funktioniert, aber nicht ins System passt?
  • Ist Erfahrung von Betroffenen eine Wissensquelle – oder nur Anekdote?

 

Block 3: Konsequenz – was folgt daraus konkret?

Was müsste sich ändern – und wer macht den ersten Schritt?

Kernlogik:

  • Wenn Parkinson eine 24-Stunden-Erkrankung ist → Versorgung kann nicht 1-Stunde-Therapie sein
  • Wenn Alltag wirkt → Alltag muss Teil der Versorgung werden
  • Wenn Betroffene Wirkung erleben → Erfahrung muss strukturiert nutzbar werden

👉 mögliche Stoßrichtungen:

  • Neue Versorgungsachse: „Heute“ (Alltag) neben „Zukunft“ (Forschung)
  • Selbsthilfe nicht als Ergänzung, sondern als Versorgungsbestandteil
  • Mikrostrukturen statt Großsysteme (Gruppen, Routinen, Rhythmus)

Mögliche Leitfragen:

  • Was würde passieren, wenn wir das Wirksame systematisch machen?
  • Wer hätte etwas zu gewinnen – wer etwas zu verlieren?
  • Muss Veränderung von innen kommen – oder entsteht sie längst außen?
  • Was wäre ein erster, realistischer Schritt?