nicht-invasive Neuromodulation

nicht-invasiver Neuromodulation bei Parkinson

Wer in den sozialen Netzwerken unterwegs ist, dem werden in letzter Zeit Videos von tanzenden Parkinson-Patienten im Feed angezeigt. Diese können unmittelbar nach einer Reihe nicht-invasiver Behandlungen wieder ohne Rollstuhl oder Rollator stehen, vor Freude gemeinsam mit ihrem Behandler Sirtaki tanzen oder einfach „nur” wieder besser laufen (Stichwort: Freezing of gait).
All das geschieht in Echtzeit und ohne Blutvergießen.

Das ist für uns ein Grund, genauer hinzusehen.

Anders als bei der bekanntesten Form der Neuromodulation bei Parkinson, der Tiefen Hirnstimulation (engl. DBS), werden bei der hier beschriebenen Methode keine feinen Elektroden operativ tief ins Gehirn eingesetzt, um dieses dauerhaft elektrisch zu stimulieren.

Stattdessen beschreibt die hier als Hauptquelle zitierte Seite des SOZO Brain Centers (Zypern) ihre Methoden wie folgt:

„Neuromodulation, individuell auf Sie zugeschnitten.
Nicht-invasive Neuromodulationsbehandlungen für neurologische, chronische und psychische Erkrankungen. Gewinnen Sie Ihre Lebensqualität zurück, indem Sie sich auf die Ursache konzentrieren – Ihr Gehirn

 

Hinter diesem Leistungsversprechen verbergen sich folgende Anwendungen (Ausschnitt, nicht komplett, Quellen alle SOZO Brain Center):

„rTMS – was das physikalisch ist
Bei rTMS liegt eine elektromagnetische Spule an der Kopfhaut. Ein rasch wechselndes Magnetfeld durchdringt den Schädel und induziert im darunterliegenden Hirngewebe ein elektrisches Feld bzw. kleine Ströme. Bei repetitiver Anwendung kommen diese Pulse in Zügen/Serien. Genau das ist der physikalische Kern von TMS/rTMS.“

„tDCS – was das physikalisch ist
tDCS ist etwas anderes als rTMS: Dabei werden Elektroden auf die Kopfhaut gesetzt und ein schwacher Gleichstrom durch den Schädel angelegt, um die Erregbarkeit kortikaler Netzwerke zu beeinflussen. SOZO nennt dafür öffentlich das Newronika HDC-STIM/HDCkit.“

„Brain Map“ / EEG – was das technisch ist
SOZO wirbt zusätzlich mit Brain Sensei/brain.space. Dieses System wird öffentlich als EEG-Headset (Plato) mit 115 trockenen Elektroden beschrieben. SOZO stellt es als Instrument für prä-/post-Behandlungsberichte und für personalisierte Neuromodulations-Empfehlungen dar.“

Wichtige saubere Einordnung des Begriffs
Wenn jemand von „der rTMS von SOZO Brain“ spricht, ist das nach der öffentlichen Selbstdarstellung verkürzt. Faktisch spricht SOZO eher über ein Verbundkonzept aus mehreren Stimulationsarten plus EEG/Brain-Mapping, nicht über ein einzelnes, klar dokumentiertes Standard-rTMS-Protokoll.

Die Studienlage und was sie bedeuten:

Parkinson betrifft kein einzelnes Hirnareal, sondern ein komplexes Netzwerk – deshalb zielen Studien auf unterschiedliche Bereiche wie M1, SMA oder Kleinhirn, also verschiedene „Einstiegspunkte“ in dasselbe System.

Verschiedene Verfahren wirken zudem auf unterschiedlichen Ebenen (oberflächlich, diffus oder tiefer) und mit unterschiedlichen Parametern, wodurch sich die Netzwerkaktivität jeweils anders beeinflussen lässt.

Fazit: Multimodale, kombinierte Stimulation ist biologisch und technisch plausibel – ein einzelner Ansatz greift zu kurz.

 

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