Fast wäre diese wichtige Zeitdokument verloren gegangen:
Zu beklagen wäre das nicht wegen des Satzes, Zitat: „…das muss man auch mal positiv sehen, es gibt so viele tolle Möglichkeiten bei der Parkinson-Erkrankung, über viele Jahre einen Honeymoon, also eine wirklichen, fast komplette Besserung durch Medikation zu erzielen.“
Dazu gäbe es sicherlich viel zu sagen.
Nein, darum soll es nicht gehen.
Es geht im Kern um die Frage, warum einer hochgradig heterogene Spektrumerkrankung wie die Parkinso-Krankheit, mit den immer gleichen Behandlungsmethoden zu Leibe gerückt wird
Am Beispiel der Transkraniellen Magnetstimulation (rTMS) wollen wir versuchen den Ursachen auf den Grund zu gehen.
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Für eine Aufnahme in die Parkinson-Leitlinie reicht es nicht, dass einzelne Betroffene Verbesserungen erleben oder ein Verfahren biologisch plausibel erscheint.
Ein Verfahren wie die transkranielle Hirnstimulation (tDCS, TMS, tACS) muss vor allem zeigen, dass es:
- bei vielen Betroffenen reproduzierbar wirkt,
- unter vergleichbaren Bedingungen ähnliche Ergebnisse erzielt,
- in guten Studien überprüft wurde,
- sicher ist,
- und gegenüber bestehenden Behandlungen einen klaren Nutzen zeigt.
Das Problem:
Parkinson ist sehr unterschiedlich.
Und genau deshalb reagieren Menschen oft auch unterschiedlich auf Hirnstimulation.
Was dem einen hilft, wirkt beim anderen gar nicht – oder sogar gegenteilig.
Für die Leitlinie wird daraus ein Problem:
Sie braucht standardisierbare Verfahren, also eine Standardantwort.
Also klare Antworten auf Fragen wie:
- Wo wird stimuliert?
- Mit welcher Frequenz?
- Wie lange?
- Wie oft?
- Für welches Symptom?
- Für welche Patientengruppe?
- Mit welchem erwartbaren Effekt?
Solange diese Fragen nicht zuverlässig und reproduzierbar beantwortet werden können, bleibt ein Verfahren wissenschaftlich interessant – aber klinisch schwer allgemein empfehlbar.
Oder einfacher gesagt:
Die Leitlinie fragt nicht zuerst:
„Kann es einzelnen Menschen helfen?“Sondern:
„Funktioniert es verlässlich genug, um es vielen Menschen empfehlen zu können?“
Die THS erfüllt diese Bedingungen:
Klare Zielregionen
Definierte Indikationen
Standardisierbares Verfahren
Reproduzierbare Wirkung bei geeigneten Patientengruppen
Gute Studienlage und Langzeiterfahrung
Abgrenzbarer Nutzen gegenüber Medikamenten
Sie werden evtl. sagen, das klingt doch gut. Wo ist das Problem?
Das Problem ist nicht, dass die Leitlinie Sicherheit verlangt.
Das Problem ist, was dadurch herausfällt:
Was nicht gut standardisierbar ist, gilt schnell als nicht empfehlbar — auch wenn es einzelnen Betroffenen helfen kann. siehe Bsp. rTMS
Bei Parkinson ist das besonders heikel, weil die Krankheit sehr unterschiedlich verläuft.
Die Leitlinie bevorzugt Verfahren, die bei vielen ähnlich funktionieren.
Parkinson-Betroffene brauchen aber oft Lösungen, die bei ihnen persönlich funktionieren, wie z.B. die tTMS.
Kurz gesagt:
Die Leitlinie schützt vor unsicheren Empfehlungen — aber sie sortiert auch vieles aus, was individuell nützlich sein könnte.
Die Leitlinie belohnt Gleichförmigkeit. Parkinson ist aber nicht gleichförmig, sondern eine hochgradig heterogene Spektrumerkrankung.
Kehren wir zurück zu unserem Zeitdokument und der rTMS. Ab Minute 40:20 wird folgende Frage gestellt:
Zitat: „Er hat das TDCS-Gerät genutzt, aber kein nachhaltig wiederholbaren Ergebnis. Gibt es Erfahrung, welches die besten Position für Elektroden, Dauer der Wirkung und Wiederholungsabstand bei Parkinsons sind?
Prof. Paulus benennt mehrere Scenarien und demonstriert wo am Kopf die beste Wirksamkeit erzielt wird. Es entsteht der Eindruck als wisse er um die Wirksamkeit des Verfahrens, eigentlich ohne Einschränkungen. Er beendet seine Antwort mit dem Satz:
„Also da gibt es keine Standardantwort darauf.“
Individuell ja – Standardmäßig nein, ergo – nicht empfehlenswert.
Wie eine individuelle rTMS bei Parkinson helfen kann, und zwar individuell, das haben wir bereits an anderer Stelle besprochen.
wird fortgesetzt