Team Retardiert – Nachruf auf Ingrid Fleischer

Ingrid Fleischer, 22.12.1964 – 29.05.2026

Ingrid war seit rund 30 Jahren an Parkinson erkrankt. Als Wegbegleiterin von Hermann Terweiden und Ingo Schellberg setzte sie sich früh mit alternativen Behandlungsmöglichkeiten auseinander und suchte nach Wegen, mit der Erkrankung nicht nur zu leben, sondern ihr aktiv etwas entgegenzusetzen.

Als junge Mutter wurde sie mit der Diagnose konfrontiert. Dennoch nahm sie die Herausforderungen einer alleinerziehenden Mutter mutig an und ging ihren Weg mit großer innerer Stärke.

Von Anfang an war Ingrid bei parkinsonberlin.de dabei. Sie wirkte eher im Hintergrund, aber ihre Beiträge waren klug, aufmerksam und unverzichtbar – besonders dann, wenn es um Parkinson, Erfahrungswissen und alternative Behandlungsansätze ging. Als eine der Ersten profitierte sie von der High-Dose-Thiamin-Therapie und brachte ihre Erfahrungen still, aber wirksam ein.

Ein wichtiger Teil ihres Lebens war die Malerei. Über 20 Jahre schuf Ingrid im Stillen ein Werk, das noch zu sichten ist. Sie malte für sich, fand darin Erfüllung, Frieden und zunehmend Anerkennung als künstlerische Quereinsteigerin. Ihre Kunst war für sie kein öffentliches Programm, sondern ein innerer Raum – ein Ort der Ruhe, der Ordnung und der Selbstbehauptung.

Vielleicht liegt darin auch eine ihrer wichtigsten Botschaften: Stressreduktion, Sinn und schöpferische Tätigkeit können bei einer chronischen Erkrankung mehr sein als bloße Begleitung. Ingrid hat auf ihre Weise gezeigt, dass ein ruhiger, selbstbestimmter Lebensweg dazu beitragen kann, die Progression über lange Zeit deutlich zu verlangsamen.

Ingrid setzte sich gerne für andere ein. Oft dachte sie zuerst an die Belange Dritter und stellte die eigenen Interessen zurück. Diese Fürsorglichkeit gehörte zu ihr – auch wenn sie ihr selbst manchmal zu wenig Raum ließ.

Zu ihrer Parkinson-Erkrankung kam kürzlich eine schwere Krebserkrankung hinzu, die lange unerkannt blieb. Am 29. Mai 2026 ist Ingrid verstorben.

Wir erinnern uns an sie als eine mutige, warmherzige und kluge Frau, die trotz schwerer Erkrankung ihren eigenen Weg gegangen ist – leise, beharrlich, künstlerisch und mit einem wachen Blick für Missstände und Ungerechtigkeiten.

In stiller Trauer – Das Team Retardiert,14.06.2026

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